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BeitragVerfasst: 13.03.2019, 22:53 
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neu im BONSAI ART Forum

Registriert: 12.03.2019, 09:20
Beiträge: 2
Hallo, :)
Ich bin der Sebastian und bin 23 Jahre alt.
Seit gestern bin ich hier im Forum angemeldet. Natürlich hab ich auch gleich einige Fragen an euch.

Wie es im Betreff schon steht geht es um einer Pinus Thunbergii.
Ich besitze seit drei Jahren mehrere Bonsai (Chinesische Wacholder, Dreispitzahorn, Pistazien und einige andere Arten).

Letztes Jahr im Herbst hat es mir dann eine jap. Schwarzkiefer angetan, die natürlich gleich mit zu mir nach Hause musste.

Nachdem ich sie nun gut durch den Winter gebracht habe geht es nun um das Thema "Kerzen kürzen". Ich habe versucht da irgendwie draus schlau zu werden und wiederhole mal das was ich so aus verschiedenen Quellen herausgezogen habe:

- Im Frühling, wenn die Kerzen eine Länge von 3cm erreicht haben, werden diese komplett weggeschnitten.
- Im Herbst, wenn ein zweiter Austrieb erfolgt, werden die langen Kerzen erneut um etwa 2/3 zurückgeschnitten. Die kurzen werden weniger bzw. gar nicht zurückgenommen.

Hierdurch erfolgt dann im nächsten Jahr ein Austrieb kürzerer Kerzen. Nun muss ich ja noch die dreijährigen Nadeln mit einer Schere astnah abschneiden, da diese im Jahr darauf sowieso abgeworfen werden. Hierdurch erreiche ich einen stärkeren Lichteinfall zur Anregung schlafender Augen, richtig?
Wann ist hierfür der richtige Zeitpunkt?

Aufgrund des Klimas gehe ich aber davon aus, dass der Baum nur schwer zweimal im Jahr treiben wird. Gehe ich trotzdem wie oben beschrieben vor oder sollte ich an den Schritten etwas ändern?

Wie auf den Bildern zu sehen, hat die Kiefer letztes Jahr extrem lange Nadeln bekommen. Das heisst er wurde letztes Jahr nicht richtig geschnitten. Das will ich dieses Jahr ändern. Er hat dadurch etwas an Ästhetik eingebüßt, was ja weiter nicht schlimm ist.

Kann mir hier jemand das Ganze bestätigen bzw. mich korrigieren wenn ich falsch liegen sollte?


Vielen Dank schon einmal im Voraus :)


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BeitragVerfasst: 15.03.2019, 06:08 
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Registriert: 21.05.2004, 22:00
Beiträge: 8905
Wohnort: Pirna
Hallo und willkommen im Forum!
Wie Du schon richtig bemerkt hast, stehen viel widersprüchliche Dinge zum Nadelzupfen
in Literatur und Netz.
In vielen älteren oder schlechten Büchern steht schlicht Unfug.
Meist wurden Japanische Quellen einfach übernommen.
Und wied Du schon richtig bemerkt hast, helfen die Anleitung zur Thunbergkiefer aus dem Japanischen
auch nicht viel weiter, weil unsere Vegetationsperiote meist zu kurz ist für zwei Austriebe.
Zunächst mal zum Kerzen kürzen oder Pinzieren.
Pinzieren bedeutet immer Wachstumseinschränkung und Schwächung mit dem Ziel feinerer Triebe und kurzer Internodien.
Soll also eine Pflanze , z.B. im Aufbau , vor allem Zuwachs bringen, ist diese Technik komplett kontroproduktiv.
Selektiv angewandt, benutzt man Pinzieren aber auch zum Wachstumsausgleich, d. h. dort , wo ich fördern will wird nicht pinziert, dort , wo üppiges Wachtum gedrosselt werden soll , wird eingekürzt.
Soweit zur Theorie.
In der Praxis nimmt ist es auch kompliziert, denn es gibt zwei Herangehensweisen für unsere klimatischen Verhältnisse.
Die erste ist die Japnaische, verteilt die aber, je nach Witterung ggf. auf zwei Jahre. Man kann auch die Vegetationsperiode etwas verlängern , wenn man etwa ein Gewächshaus hat und/oder im nächtlich kalten Frühjahr morgens mit warmen Wasser gießt, damit der Baum schnell auf Betriebstemperatur kommt.
Das Vorgehen war dargestellt in BonsaiArt , den ich angehängt habe . Die Monatsangaben sind irrelevant, man muss schauen, wenn die Pflanzen soweit sind.
Man selektiert auf 2 gleich große Knospen, den Rast an Knospen bricht man aus, hat man nur eine , bleit halt nur sie stehen.
Man lässt also die Kerzen aureifen, bis sich die Naden entwickelt haben. Die Nadeln müssen sich entwickeln, denn die produzieren Zucker. Erst dann wird er Trieb vollständig entfernt. Ob, wo und wieviel ich vorher pinziere, hängt davon ab, was ich für Pläne für den Baum oder nur den Ast oder Bereich des Baumes habe. Lange Kerzen bedeutet viel Nadeln und viel Zuckerproduktion und damit viel Reserven z.B. für Rückknospung.
Rückknospung machte der Baum nur, wenn er Reserven hat. Zupfe ich zu viel und ständig hat er keine Reserven und knosped auch nicht zurück.
Bis zum Herbst bilden sich neue Knospen, aber aber evtl. kein neuer Austrieb wie in Japan.
Die lässt man dann im Folgejahr austreiben und wachsen. Ob und welche Eingriffe ich da mache , hängt vom Austrieb ab. In der Regel pinziert man nur leicht im Oberen Bereich.
Unterm Strich wird man also nur ale Zwei Jahre die Triebe volstandig entfernen und nur alle zwei Jahre die Kerzen pinzieren.
Die andere Vorgehensweise , die sich bei heimischen Kiefern bewahrt hat im Folgenden:
Man selektiert 3 Kerzen , die größte und zwei möglichst kleine.
Man lässt die Knospen komplett und unpinziert austreiben bis zum Nadelstadium (Zucker, Reserven!!!).
Ich habe dann einen langen und zwei kürzere Treibe. Nach dem Ausreifen der Nadeln wird der lange Trieb komplett entfernt, die schwächeren aber belassen.
Da ich hier die volle Zuckerproduktion abfasse, erziele ich eine sehr gute Rückknospung.
Pinziert wir hier erst, wenn der Baum die Verfeinerungsphse kommt.
Das Ganze ist natürlich Stoff für mindestens ein Wochenendseminar, aber ich hoffe, Dir etwas weitergeholfen zu haben.
Wichtig ist immer , über die Folgen und Ziele der Eingriffe nachzudenken.
Darum habe ich auch so oft Zucker erwähnt. Das ist der Treibstoff.
Viel Grün bedeutet , viel Zucker. Viel Zucker bedeute Reserven für Zuwachs und Rückknospung.
Schnitt und Pinzieren bedeutet Drosselung und Schwächung.
Letzteres bedeutet etwa auch, dass ich in schwächelnden Bereichen gar keine Eingriffe vornehme. Dein Baum hat z.B. so einen Ast , den ich erst mal frei wachsen lassen würde.


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_________________
Viele Grüße
Thomas

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BeitragVerfasst: 16.03.2019, 20:36 
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neu im BONSAI ART Forum

Registriert: 12.03.2019, 09:20
Beiträge: 2
Hallo Thomas,

erst einmal vielen, vielen Dank dass du dir soviel Zeit genommen und dir die Mühe gemacht hast um all das zu schreiben. Genau das hab ich mir in so einem Forum erhofft.

Deine Anleitung bringt mich viel weiter und hilft mir sehr gut.

Vielen Dank dafür!

Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: 17.03.2019, 20:35 
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Forum Spezialist
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Registriert: 21.05.2004, 22:00
Beiträge: 8905
Wohnort: Pirna
Das freut mich! Viel Glück mit dem Baum!

_________________
Viele Grüße
Thomas

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