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 Betreff des Beitrags: Glossar japanischer Fachausdrücke
BeitragVerfasst: 04.11.2004, 10:57 
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GLOSSAR

Hier finden Sie das lange versprochene Glossar japanischer Fachausdrücke. Es wird Ihnen helfen zu verstehen, was in Japan gemeint ist, wenn man z.B. von Bonsai spricht. „Das wissen wir doch!“ werden Sie vielleicht einwenden. Aber Japaner „funktionieren anders“, könnte man sagen, und das drückt sich auch in ihren Begriffen aus.
Bonsai bedeutet nicht nur der Baum in der Schale, sondern auch das Tun, dessen Ziel ein solcher Baum ist. Außerdem verweist der Begriff auf große kulturelle Bereiche, die mit China, der Tradition, den Religionen usw. zu tun haben. Es entsteht ein „Gesamtgefühl“, das mit den Silben Bon-sai angesprochen wird.
Oft geht es auch um Details, denen wir so keine besondere Bedeutung beimessen würden. Japanische Begriffe stellen also auch Sichtweisen dar, die uns unbekannt sind. Darin sehen wir auch ihren Nutzen. Sie zu verwenden eröffnet meist einen neuen Blick. Nebari kann man etwas hölzern als Stammansatz oder Wurzelfuß bezeichnen. Das Japanische bezieht sich nun aber genau auf das „Dazwischen“ von Stamm und Wurzeln. Nebari verbindet aus unserer Sicht zwei Bereiche, die Japaner eher als qualitative Einheit sehen. Wo wir eher trennen, sieht man in Japan die Verbindung. Deshalb haben wir uns entschlossen, bestimmte japanische Begriffe zu übernehmen, die eigenständige Qualität haben und uns in der Sicht auf Bonsai weiterbringen.

Akadama – braunrotes Lehmgranulat, das aus Japan importiert wird und die Grundlage der heute gebräuchlichen Substrate bildet.
Akamatsu – Japanische Rotkiefer.
Arakawa – bezeichnet eine Sorte mit besonders grober Rinde.
Bankan – eine wenig übliche Form mit intensiv gewundenem Stamm, die meist Moyogi, Sekijoju und Han–Kengai verbindet.
Bonkei – Miniaturlandschaft mit Felsen, lebenden Pflanzen und Figürchen.
Bonsai – bedeutet etwa „Gärtnern auf einem Tablett“, meist als „Baum in der Schale“ übersetzt.
Bunjin–gi – auch Literatenbonsai genannt, bezeichnet sowohl eine Form mit dünnem eleganten Stamm und kleiner Krone im oberen Drittel, als auch einen schlichten, aber charakterstarken Baum, der unmittelbar die Naturkräfte widerspiegelt und dem alles eitel Dekorative fehlt.
Chokkan – streng aufrechte Gestaltungsform mit vielen formellen Elementen (ganz gerader Stamm, Nebari, Tachiagari, triadischer Aufbau usw.), die ein guter Chokkan erfüllen soll.
Eda – Ast.
Ezomatsu – Ajanfichte.
Fukinagashi – die windgepeitschte Form, gibt es in gerader und bewegter Ausführung und verschiedenen Neigungswinkeln.
Futokoro–eda – Zwischenast eines Bonsai.
Gyo – bezeichnet eine bewegte, mäßig breite Form (informell).
Goyomatsu – Japanische Mädchenkiefer.
Han–kengai – die Halbkaskade ist durch ihre Krone gekennzeichnet, die nicht tiefer herabreicht als der Schalenboden.
Hinoki – Zypresse.
Hokidachi – die Besenform gleicht einem auf dem Stiel stehenden Reisigbesen.
Ichii – Eibe.
Ichino–eda – erster Ast eines Bonsai.
Ikadabuki – die Floßform wird aus einem liegenden Stamm gebildet, dessen einseitig erhaltene Äste eine Baumgruppe formen.
Ikebana – die mit dem Bonsai formal verwandte jap. Blumensteckkunst.
Ishitsuki – die Felsenform, bei der der Ballen eines oder mehrere Bäume auf einen Stein gepflanzt werden. Das Arrangement wird oft auf einem Suiban präsentiert.
Jin – ein abgestorbener entrindeter und ausgebleichter Ast (Eda-jin), oder Baumspitze (Ten-jin). Es zählt zu den Alterungstechniken.
Jushin – Spitze eines Baumes.
Kabudachi – heißt eine Gruppe von Bäumen, die aus einer gemeinsamen Wurzel wachsen.
Karin – Scheinquitte.
Kengai – die Kaskade ist durch die bis unter die Schalenbasis reichende Baumkrone gekennzeichnet.
Kaede – Dreispitzahorn.
Kaido – Zierapfel.
Keto (-tsuchi) – Torferde, die meist für Felsenpflanzungen benutzt wird.
Korabuki – „Schildkrötenpanzerform“, eine heute unübliche Form, bei der die Basis wie ein Hügel aussieht, auf dem verschiedene Stämme wachsen.
Kuromatsu – Japanische Schwarzkiefer.
Mame – kleinste Bonsaigröße bis etwa 10 cm Höhe.
Mae–eda – vorderer Ast eines Bonsai.
Me–kiri – Pinzieren des frischen, noch weichen Austriebes.
Me–tsumi – Blätter zupfen.
Mochi–komi – Reife, Kultivierungsniveau. M. wird erst nach jahrelanger Kultur eines Bonsai in der Schale erreicht oder findet man bei einem Yamadori.
Momiji – Japanischer Fächerahorn.
Moyogi – locker aufrechte Gestaltungsform, mit breitem Anwendungsbereich. Weniger streng formalisiert.
Neagari – selten zu sehende Gestaltungsform, deren Merkmal die Stelzwurzeln sind, die den eigentlichen Stammbereich bilden.
Nebari – bezeichnet den sichtbaren Wurzelbereich von der Substratoberfläche bis zum Stammansatz. Eines der wichtigsten Merkmale eines Bonsai.
Nejikan – das Hauptmerkmal dieser Bonsaiform ist der in sich gedrehte Stamm.
Netsuranari – ähnlich Ikadabuki, ist jedoch nicht aus einem liegenden Stamm entstanden, sondern durch Wurzelschösslinge, die die neuen Stämme gebildet haben. Auch eine aus Einzelbäumen eng zusammen gepflanzte kleine Gruppe wird manchmal so bezeichnet.
Ni–no–eda – zweiter Ast eines Bonsai.
Nishiki – Korkrinde der Schwarzkiefer.
Ocheda – hängender Ast, auch Kaskadenast eines Bonsai.
Sabamiki – ein hohler oder gespaltener Stamm kennzeichnet dieses starke Stilelement. Es zählt zu den Alterungstechniken.
Sabi – ein ästhetischer Begriff (oft zusammen mit Wabi), der die Schönheit des Reifen, Gealterten, Charaktervollen ausdrückt.
Saikei – ist dem Bonsai verwandt. Meist werden Landschaftsthemen en miniature realisiert (z.B. „Waldweg“). Der Übergang zur Bonsai-Waldpflanzung ist fließend.
Sakura – Kirsche.
Sankan – Dreifachstamm.
San–no–eda – dritter Ast eines Bonsai.
Sashi-eda – wichtigster Ast eines Bonsai.
Satsuki – Azalee.
Sekijoju – die Felsenform, bei der der Ballen eines oder mehrere Bäume über einen Stein gepflanzt werden und die Wurzeln in einer mit Substrat gefüllte Bonsaischale wurzeln.
Shakan – geneigter Stamm, der verschiedene Neigungswinkel haben kann. Bei größerer Neigung geht die Form in die Halbkaskade über.
Shari – bezeichnet einen entrindeten Stamm- oder Astbereich, der trocken und gebleicht ist. Es zählt zu den Alterungstechniken.
Shin – bezeichnet eine eher hohe, schlanke und aufrechte Form (formell). Es kann auch im Sinne von Dominanz, Überordnung und Spitze gebraucht werden. Auch Pflanzen werden Shin (Nadelbäume), Gyo (Laubbäume), und Soo (Gräser) zugeordnet.
Shimpaku – Chinesischer Wacholder.
Soo – bezeichnet eine stark bewegte, breite Form (frei).
Soro – Hainbuche.
Shinto – „Weg der Götter“, eine der Hauptreligionen Japans, die ihren Ursprung in Ahnen- und Naturkulten hat.
Shohin – Bonsai einer Höhe bis ca. 20 cm.
Sokan – Doppelstammform. Einzige Baumgruppe mit gerader Stammzahl.
Sugi – Japanische Sicheltanne.
Suiban – ein meist aus Bronze hergestelltes flaches Gefäß oder Tablett ohne Abzugslöcher.
Suiseki – Betrachtungsstein. Ein Stein, der aufgrund seiner Form Assoziationen (meist Landschaftsbilder) auslöst.
Tachiagari – bezeichnet den unteren Teil des Stammes vom Nebari bis zum ersten Ast.
Tatami – Eine aus Reisstroh gefertigte, 180 x 90 x 5 cm große, stabile „Platte“, an deren Maß sich die Größe japanischer Räume orientiert.
Tokoname – Stadt in Japan, bekannt durch zahlreiche Töpfereien.
Tokonoma – Schmucknische in japanischen Häusern. Der dreiseitig umschlossene Raum, dessen Grundfläche oft ein Tatami ist, dient der Präsentation und Verehrung z.B. eines Bonsai oder Ikebanagestecks.
Tosho – Igelwacholder.
Uke–eda – Gegengewichtsast.
Ume – Aprikose.
Ura-eda – Rückseitenast eines Bonsai.
Wabi – ein ästhetischer Begriff (oft zusammen mit Sabi), der die Schönheit des Schlichten, Ungekünstelten und Einfachen ausdrückt.
Yamadori – ein bisher nur von der Natur gestalteter Baum, der ausgegraben wird und Ausgangsmaterial für einen Bonsai sein kann.
Yon–no–eda – vierter Ast eines Bonsai.
Yose–ue – Waldform, eine Gruppe von mehreren Einzelbäumen.



(dieser Beitrag ist erschienen in der BONSAI ART 64)


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